Neurodidaktik

Lernen mit Köpfchen -
Neue Erkenntnisse der Hirnforschung                                                           

Ein Artikel von Gerhard FRIEDRICH - promovierter Pädagoge - und Gerhard PREISS - Professor für Didaktik der Mathematik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg -, herausgegeben von der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft 4/2002", besagt, dass jeder Lernvorgang mit einer Veränderung im Gehirn einhergeht.

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Disziplin, die "Neurodidaktik", die das Lernen so zu gestalten versucht, wie es das Gehirn am besten kann.

"Learning by doing" scheint die bestmöglichste Lernform zu sein. Verhaltensbeobachtungen haben erwiesen, dass Kinder besonders schnell Wissen erwerben, wenn sie möglichst viel selbst ausprobieren können.

Lange Zeit galt, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns - und damit auch das Leistungspotential - genetisch vorprogrammiert sei. Tierexperimente bewiesen nun aber, dass das Erbgut lediglich eine Grundausstattung des neuronalen Bauplans festlegt.

"Der Informationsstrom von den Sinnesorganen und die ständige aktive Wechselwirkung mit der Umwelt bestimmen , wie sich das Gehirn entwickelt, was wir lernen und welche Begabungen wir entfalten.

Bereits bei der Geburt besitzt jeder Mensch etwa hundert Milliarden Nervenzellen, eine Anzahl, die sich im Laufe des Lebens sogar wieder leicht reduziert.In den ersten beiden Lebensjahren wachsen vor allem die Fortsätze, über die jede Nervenzelle Signale zu über tausend weiteren schickt. Spezielle Kontaktstellen, die Synapsen, übermitteln die Informationen zwischen den einzelnen Zellen. Über hundert Billionen solcher synaptischen Verbindungen schließen sich die Neurone zu Netzwerken zusammen, die auch über größere Distanzen miteinander kommunizieren können. Zunächst entstehen gleichmäßig verteilt zwischen den Nervenzellen Synapsen im Überschuss. Wenn aber bestimmte Neurone auf Merkmale ansprechen, die oft gemeinsam auftreten, und entsprechend häufig synchron feuern, verstärken sich die Synapsen zwischen diesen Nervenzellen und bleiben langfristig erhalten. Umgekehrt lösen sich zwischen Nervenzellen, die nie gleichzeitig arbeiten, im Laufe der Zeit bestehende Verbindungen. Ähnlich einem Bildhauer, der von einem unstrukturierten Stein überschüssige Teile wegklopft und damit eine Skulptur erschafft, modellieren Lernprozesse das mit einem Überschuss an Synapsen ausgestattete Gehirn."

Selten gebrauchte Verschaltungen werden also aufgelöst, häufig aktive werden verstärkt und gefestigt.

"Die Volksweisheit "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" besitzt ein neurobiologisches Fundament. Denn welche Neuronen mit welchen verbunden sind, entscheidet sich vor allem in den ersten 15 Lebensjahren.

Unbekanntes erregt die Neuronen besonders stark und wird deshalb sehr leicht als Information im Gedächtnis abgelegt. Kinder lieben ja Überraschungen, und ihre Gehirne auch.